Fanfiktion - Harry Potter

Am Leben

Hermine fühlte sich tot. Nicht mehr lebendig, ausgebrannt. Harry erzählte ihr gerade die Namen der Toten, die sie bereits geborgen hatten. Er weinte dabei, immer wieder brach seine Stimme. Remus, Tonks, so viele ihrer Freunde. Normalerweise sollte sie jetzt weinen, oder? Oder wenigstens irgendwas tun. Ihrer Trauer irgendwie Ausdruck verleihen. Aber sie konnte es nicht.

Ruhig hörte sie Harry zu, wie er ihr vom Tod all ihrer Freunde erzählte, nahm ihn in den Arm und versuchte ihn zu trösten. Aber sie selber fühlte nichts. Ihr Blick glitt über das Schlachtfeld, auf dem sich sowohl die Leichen ihrer Freunde, als auch die ihrer Feinde tümmelten. Und ihr wurde klar, dass es bei Kriegen nie einen Gewinner gab. Nie. Viellleicht, wenn sie wenigstens etwas fühlen würde. Ob nun Trauer oder Glück darüber, dass sie diesen Krieg gewonnen hatten, vielleicht würde ihr dann das alles nicht so schrecklich sinnlos vorkommen.

Sie ging durch die Reihen der Überlebenden, nahm ab und an mal jemanden in den Arm und tröstete ihn. Vielleicht sollte sie an ihre Zukunft denken, schließlich würde sie jetzt wieder die Möglichkeit haben jeden Beruf zu ergreifen, denn sie wollte. Aber hier, auf dem Schlachtfeld, erschien ihr der Gedanke an die Zukunft nur noch albern.

Das Schloss lag in Trümmern und es roch überall nach Blut und Krieg. Sie stand in einer kleinen Blutlache, aber das störte sie seltsamerweise nicht einmal. Fasziniert betrachtete sie ihre Schuhe, die sich langsam rot einfärbten. Früher war Rot eine ihrer Lieblingsfarben gewesen, sie war die Farbe ihres Hauses und sie stand für Mut und Liebe. Aber jetzt verband sie mit dieser Farbe nur noch Tod und Leid, so unendlich viel Leid.

Sie schwang ihren Zauberstab, lies das Blut verschwinden und rannte aus der Halle. Durchatmen. Doch auch hier war sie nicht sicher, vor dem Rot und dem Leid. Überall lagen auch hier draußen auf dem Rasen Leichen. Ein paar Jungs aus ihrem Jahrgang halfen noch immer, sie in die Halle zu tragen.

Hermine wollte nur noch weg. Allein sein, und endlich anfangen zu trauern, wie es alle Anderen taten. Harry trat aus der Halle, stellte sich neben sie. Sagte ihr, dass er nun Snapes Leiche bergen wollte. Bat sie um ihre Hilfe. Sie nickte nur. Mehr hatte sie nicht zu sagen. Schweigend gingen sie nebeneinander her. Sie spürte Harrys besorgten Blick auf sich ruhen. Aber das war nichts neues für sie.

Harry machte sich immer Sorgen um jeden. Selbst um die Leute, die er nicht einmal kannte. Und in gewisser Weise traf das auch auf sie zu. Jahrelang waren sie nun schon befreundet. Und trotzdem wusste er nicht viel von ihr. Er wusste nicht, dass sie jedes Jahr wieder in Streit mit ihrer Familie geriet, weil sie nicht wollten, dass sie länger nach Hogwarts ging. Denn jedes Jahr fiel es ihnen schwerer der Familie die Wahrheit zu verheimlichen. Harry wusste auch nicht, dass sie nur so viel lernte, weil es das Einzige war, dass sie konnte. Sie war in ihrer Grundschule schon immer abgelehnt worden, weil sie anders war. Auch wenn Kinder es natürlich nicht genau benennen konnten, so erkannten sie Zauberer und Hexen doch instinktiv und mieden sie, so gut es ging. Das Einzige was Hermine blieb, waren ihre Bücher.

Sie hatte Harry auch nie erzählt, dass sie manchmal das alles überforderte, die ständige Lernerei, dass sie auch an dieser Schule von so vielen Leuten abgelehnt wurde, aufgrund ihrer Herkunft, und dieser so sinnlose Krieg. Sie hatte immer tapfer weitergemacht, weil ihr letztendlich keine andere Wahl blieb. Die beiden Jungen hätten es ohne sie nie geschafft, alle Horkruxe zu finden.

Sie wich Harrys besorgten Blicken also nur aus und lief ein Stück schneller. Gemeinsam betraten sie die heulende Hütte und knieten sich neben Snape. Sie wollte Harry grade dabei helfen ihn hochzuheben, als sie etwas hörte. War das etwa..? Nein, sie hatte sich nicht verhört. Ein Atemzug.

Von diesem Augenblick an ging alles ganz schnell. Harry rief nach Poppy, die sofort kam und sich um Snape kümmerte. Dieser öffnete die Augen ein wenig und nahm ihre Hand. Sanft drückte sie diese. Und zum ersten Mal, an diesem schrecklichen Tag, fühlte Hermine sich endlich wieder am Leben.

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